Hollow Kingdom post mortem
Wie angekündigt, waren die beste Freundin von allen und ich von Freitag bis Sonntag als NSC auf dem “Hollow Kingdom” der Nachtswach-Orga, auf einer Burg im Sauerland, von der aus man das Gesäß der Welt ziemlich gut sehen konnte.
Was geschah:
Wir fuhren fünf Stunden bis nach Korbach. Die Züge wurden immer langsamer und der Schnee immer höher. Es war ein bißchen wie eine Reise in die Vergangenheit. Am Korbacher Bahnhof warteten wir frierend etwa eine Stunde auf den Bus der Orga, der uns abholte und uns noch tiefer ins Nichts fuhr, zur Burg Hessenstein. Der rote Bus hatte die Aufschrift “sozialistische Jugend Deutschlands – die Falken”, was Anlaß zu großer Belustigung und politisch inkorrekten Späßen war.
Die Orga schien von der plötzlichen Anwesenheit von NSCs etwas überfordert zu sein und teilte uns als Burgwachen ein, und diesen Job behielten wir für den Rest des Abends auch. Viel zu tun gab es nicht. Leider durften wir die Spieler während der Anreise nicht verhauen.
Irgendwann in der Nacht wurden wir dann zu einer anderen Jugendherberge (auch wieder etwa eine halbe Autostunde entfernt) gefahren, wo wir und die anderen NSCs übernachteten. Am nächsten Morgen wurden wir zurückgekarrt und wurden dann zu Hare-Krishna ähnlichen Kultisten, die Friede und Sanftmut predigten. Nach langer Zeit kam dann endlich jemand auf die Idee, zumindest mich und einen anderen Kulti zu entführen und schließlich umzulegen. Friede und Sanftmut kann ganz schön aggressiv machen.
Bis zu diesem Zeitpunkt (Samstag Nachmittag) gab es kaum Gehaue – sehr zu meinem Leidwesen. Schließlich, ich war schon eine Weile als Geist herumgewandelt und langweilte mich als solcher ziemlich, schloß ich mich dann den Fieberalpen (die mehr wie Dunkelschlümpfe aussahen) an und durfte endlich Leute verhauen. Zu diesem Zeitpunkt wurden mir die anderen NSCs endgültig sympathisch – sie sangen nämlich nach einer der vielen Wellen laut das “Gamers”-Theme.
Langsam kam Leben in die Geschichte. Die Spieler näherten sich dem Ende des recht verworrenen Plots (den hier wiedergeben ich weder kann noch will), wir durften endlich Untote spielen (hier kam zu allgemeiner Freude und auch Ekel endlich meine letzte Blutkapsel zum Einsatz), und es gab ein großes Gehaue.
Der Abend klang mit Bier, Met und Musik in der schön hergerichteten Taverne aus (wie üblich). Die Orga kämpfte derweil mit einem Stromausfall und suchte später, als wir ins Bett wollten, verzweifelt im Dunklen nach dem sozialistischen Busschlüssel. Glücklicherweise waren ein paar Spieler schon abgereist, so daß die beste Freundin und ich dann einfach vor Ort übernachteten. Die restlichen vier Leute, die noch in die Jugendherberge mussten, wurden mit dem einzigen (!) erreichbaren Taxi dorthin gefahren.
Am nächsten Morgen war der Schlüssel wieder aufgetaucht. Wir hingen noch etwas herum und wurden nach dem Mittagessen dann zum Bahnhof gefahren, um die ewige Rückfahrt anzutreten.
Auf dem Hagener Bahnhof verwickelte uns ein alternder Angler angesichts unserer Angeltasche in ein Fachgespräch. Er hatte das herausragende Axtblatt wohl nicht gesehen. Wir ließen ihn in seinem Glauben, und glücklicherweise war er damit zufrieden, daß wir gelegentlich “Hm. Das ist ja interessant” sagten. Gegen 20 Uhr waren wir dann müde und blaugefleckt zu Hause.
Die Burg:
Burg Hessenstein ist von außen eine gut erhaltene Burg in wunderschöner Landschaft, nur leider sind die Innenräume sämtlich renoviert und im üblichen Jugendherbergsstil eingerichtet. Pfeiler und Wände sind bunt angemalt, komische pädagogisch wertvolle Schaukästen hängen an den Wänden – totaler Atmosphärekiller. Solange man sich draußen oder in der Taverne aufhielt war es okay, und die Landschaft hat viel wettgemacht.
Die periphere Jugendherberge:
Ich habe mir den Namen unserer temporären Schlafstätte nicht gemerkt. Sehr schön gelegen an einem großen See (Der Ederstausee, wenn ich mich recht erinnere), architektonisch interessante (zweistöckige!) Zimmer, tolle Duschen und Sanitäranlagen.
Das Essen:
Wir wurden von der Jugendherbergsküche vollverpflegt. Frühstück und Abendessen waren gut und reichlich, das warme Mittagessen war sehr einfach gehalten und bestand hauptsächlich aus aufgewärmten Tiefkühlkomponenten – vermutlich hat der Zivi gekocht. Wenn man keine Erwartungen hatte, wurde man nicht enttäuscht.
Die Taverne:
Ein großer Raum der Burg war sehr schön als Taverne hergemacht. Die Flasche Bier (dunkles Krusovice, sehr lecker) kostete 1,50, die (auch leckere) Flasche Met 6, nichtalkoholische Getränke waren noch deutlich billiger. Sehr zivile Preise also. Am Sonntag morgen waren noch sechs Flaschen Met übrig geblieben. Der Wirt war beeindruckt.
Der Plot:
Wir haben ihn erst Sonntag Nachmittag im Zug verstanden, als wir ihn in Ruhe noch ein paar Mal gelesen hatten. Die Ideen und die Geschichte waren gut, nur leider waren sowohl die meisten SLs wie auch die NSCs erbärmlich schlecht eingeweiht. Man hätte uns den Plot ruhig im voraus zuschicken können. Auch Hintergründe zu dem Land und der Geschichte waren uns praktisch nicht bekannt. Schade.
Die Spieler fanden es wohl ganz in Ordnung.
Die Spielleitung:
Sowohl die Orga wie auch die SLs waren allesamt sehr nett und stets hilfsbereit, und wir hatten mit den meisten eine Menge Spaß. Die Koordination untereinander ließ allerdings etwas zu wünschen übrig.
Die Spieler:
Es waren für uns etwa 20-25 NSCs (größtenteils auch nur Halb-NSC) deutlich zu viele Spieler da. Trotzdem hatten wir mit allen, mit denen wir gespielt haben, großen Spaß. Insbesondere als friedliebener Kultist ist mir manchmal vor lauter guter Rechtschaffenheit fast schlecht geworden. Die beste Freundin von allen könnte ihren Kulti-Charakter jetzt sogar als SC weiterspielen, wenn sie wollte.
Hervorzuheben ist noch ein Mann in gesetztem Alter, der wie Sean Connery als Zwerg aussah und einen solchen auch spielte. (Einen Zwerg, keinen Connery.)
Außerdem habe ich endlich die Schattenstürmer (und vor allem ihre Waffen) mal persönlich kennengelernt.
Die NSCs:
Unsere Mit-NSCs waren allesamt sehr nette Leute, mit denen es viel Spaß gemacht hat, die Spieler zu verhauen und die Taverne leerzutrinken. Die meisten kannten sich untereinander, wir wurden aber freundlich aufgenommen.
Leider war der Kostüm-, Waffen- und Rüstungsfundus für die NSCs sehr begrenzt bis praktisch nicht vorhanden, aber glücklicherweise hatten wir genug eigenen Kram mit dabei.
Mein Fazit:
Trotz des schlechten NSC-Briefings und der etwas überforderten Orga (zumindest bezüglich des NSC-Einsatzes) hatten wir viel Spaß, hauptsächlich wegen der netten Mitspieler.
Wären es weniger Spieler gewesen, wären wir alle auf der Burg untergebracht gewesen (die Orga heißt schließlich Nachtswach und nicht Nachtswegfahren, ich hatte mich so auf fiese fünf Uhr morgens-Aktionen gefreut) und hätte es bezüglich Plot und der Charaktere im voraus einen besseren Dialog zwischen Orga und NSCs gegeben, hätte es eine richtig gute Con werden können.
So reichte es zu nicht mehr als Durchschnitt. Aber wie gesagt – wir hatten unseren Spaß.


2. März 2006 um 7:34 |
Eine kurze Ergänzung zur Geographie: Hessenstein ist im Burgwald und nicht im Sauerland ;-). Direkt unter der Burg ist der grosse Zeltplatz des Edersees, der leider im Sommer nicht im geringsten idyllisch, sondern schwer touristisch ist…
Sagt der Sauerländer, der jetzt im Burgwald lebt.