Die OV-Chipkaart

Dieses Wochenende besuchte ich die beste Freundin von allen in Utrecht in den Niederlanden. Dass ich dabei dem karnevalistischen Irrsinn in Aachen entging, war ein angenehmer Nebeneffekt.

Als Beförderungslegitimation für die Bahnfahrt probierte ich erstmalig die OV-Chipkaart aus, im Prinzip eine elektronische Fahrkarte. Da ich bereits im Besitz des niederländischen Äquivalents zur deutschen Bahncard war, musste ich diese nur noch über das Internet für die Benutzung als Fahrkarte freischalten. An einem Fahrkartenautomaten konnte ich dann die Daten auf der Karte entsprechend modifizieren lassen und diese dann mit einem gewissen Guthaben (analog der Geldkarte) aufladen.

Ein OV-Chipkaart-TerminalZu Beginn seiner Reise sucht man sich im Bahnhof eines der vielen, mit auffälligen Schildern gekennzeichneten Terminals zum “Einchecken”. Ein lautes Piep und ein “Goede Reis” auf dem Display teilen einem mit, dass die Karte akzeptiert und mit einem gewissen “Einstiegspreis” belastet wurde. Am Zielbahnhof checkt man auf die gleiche Weise wieder aus und bekommt durch das Terminal den endgültig abgebuchten Betrag mitgeteilt. Vergisst man das Auschecken, wird der vollständige Einstiegspreis abgebucht, der in fast allen Fällen teurer als die eigentliche Fahrt ist.

Wird man im Zug kontrolliert, reicht es aus, dem freundlichen Bahnmitarbeiter die Chipkaart zum Scannen zu geben. Dies hat bei mir völlig problemlos funktioniert, obwohl ich mir die schrecklichsten Situationen ausgemalt hatte, in die ich hätte geraten können.

Letztlich soll dieses System für alle öffentlichen Verkehrsmittel in den Niederlanden bereitgestellt werden. Für die meisten Züge und für die Busse in den größeren Städten ist es bereits benutzbar.

Die öffentlichen Verkehrsbetriebe in Deutschland könnten sich daran ein Beispiel nehmen. Viel zu oft musste ich erst einmal herausfinden, welche Fahrkarte ich brauche und wie der entsprechende Automat funktioniert (wenn überhaupt), während ich meinem Zug oder Bus fluchend bei der Abfahrt zuschauen durfte.

Der große Nachteil, wie bei jedem vereinheitlichtem elektronischen System ist jedoch, dass somit jede Reise mit einem Öffi, die man unternimmt, ins Detail nachverfolgt und einer Person zugeordnet werden kann. Der Komfortgewinn ist jedoch beträchtlich, und es gibt laut der besten Freundin von allen zumindest für die Busse auch anonyme Karten, die man am ehesten mit Prepaid-Telefonkarten vergleichen kann.

7 Kommentare zu “Die OV-Chipkaart”

  1. Stefan schreibt:

    Hallo,

    in Deinem Blog schreibst Du, dass Du im im Besitz des niederländischen Äquivalents zur deutschen Bahncard bist. Ich nehme an, das es sich dabei um das sog. “Voordeelurenabonnement” handelt. Da ich auch häufiger mit der Bahn in den Niederlanden unterwegs bin, interessiere ich mich ebenfalls für diese Karte. Am Bahnhof in Venlo habe ich die Auskunft bekommen, dass ich ein Voordeelurenabonnement nur dann abschließen kann, wenn ich eine Kontoverbindung in Holland habe.
    Daher habe ich jetzt folgende Fragen:
    - Kann man ein Voordeelurenabonnement wirklich nur mit einer holländischen Kontoverbindung bekommen? Ein solches Konto habe ich natürlich nicht. Gibt es keinen anderen Weg?
    - Wenn ein Konto erforderlich sein sollte, kann ich als Deutscher ohne Probleme ein solches eröffnen? Welche Bank ist da empfehlenswert? Ich bräuchte dieses Konto einzig und allein für die Abbuchung des Abo-Betrages. Einen Wohnsitz in den Niederlanden habe ich nicht.

    Besten Dank für die Antworten im Voraus!

    Gruß
    Stefan

  2. Max schreibt:

    Ich habe per E-Mail geantwortet.

    Sollte noch jemand Interesse haben, bitte ich um persönlichen Kontakt oder einen Kommentar mit E-Mail hier.

  3. Barbara schreibt:

    Hey!
    Du kennst dich wie es scheint gut mit der Bahn in Holland aus :)
    Daher hab ich jetz auch mal ne Frage an dich.
    Ich ziehe im Sommer nach Wageningen. Und weiß schon dass eine Studenten OV-Chipkaart nicht für mich in Frage kommt (Weil ich keine holländische Studienfinanzierung beziehen kann). Ich würde aber gern ein anderes Abo-Ticket haben, weil ich viel unterwegs sein werde. Aus der Rubrik OV-chipkaart auf der holländischen Seite ns.nl werde ich nich ganz schlau. Ich dachte die OV-Chipkarten wären Abo Karten. Aber nachdem ich deine Geschichte gelesen habe, weiß ich, dass dem nicht so ist. Weißt du ob es in Holland etwas vergleichbares wie ein Ticket 2000 gibt?
    Liebe Grüße aus Düsseldorf,
    Barbara

  4. Susanne schreibt:

    Hallo Barbara
    Ich antworte mal an Stefans Stelle, da ich mich etwas besser mit dem öffentlichen Verkehr in den Niederlanden auskenne.
    1. Für den Zugreiseverkehr gibt es das Voordeeluren Abonnement. Damit kann man jeden Werktag ab 9 Uhr morgens und am Wochenende für 40% weniger fahren. Das kostet pro Jahr 55€.
    2. Es gibt von der NS auch Monats und Jahresabonnements, entweder für alle Strecken oder für eine bestimmte Strecke die vorher festgelegt wird. Die Komplett-Abos sind relativ teuer. Wieviel die Abos für eine festgelegte Strecke kosten weiß ich auch nicht.
    3. Sollte es nur um innerstädtischen Busverkehr gehen, so gibt es da auch Monats und Jahreskarten je nachdem wie weit man fahren will. Dafür guckst du am Besten bei http://www.9292ov.nl

    Die OV-Chipkaart ist nur eine Karte mit der man in Bus und Bahn fahren kann indem man sie entweder mit Geld oder mit einem Abo aufläd. Ich hoffe ich konnte etwas helfen.

  5. Lutz schreibt:

    Ich habe für ein NS-Voordeelurenabonnement als Adresse das Postfach meines Stammhotels angegeben sowie dessen Geschäftskonto zum Abbuchen des Betrages.
    Das Hotel (was natürlich vorher informiert wurde und den Betrag als SEPA-Überweisung von mir erhielt) hat mir dann die Karte zugesandt.
    So habe ich die von NS verlangte niederländische Postadresse und ein niederländisches Bankkonto.

  6. Franziska schreibt:

    Hi,

    ich studiere ab September 2010 in Nijmegen an der Han und wohne auf der Deutschen Seite in Kranenburg.
    Habe ein ähnliches Problem wie Barbara, da ich im Moment keine Möglichkeiten sehe am We mal nach Hause zu fahren ohne dafür massig Geld auszugeben, weil diese Semestertickets wohl nicht zu bekommen sind.
    Meine Frage an Susanne, gilt dieses Voordeeluuren Abbonement nur für Züge in Holland, oder auch über die Grenze hinaus, also könnte ich damit auch von Nijmegen nach Aalten mit dem Zug fahren, zb.?
    Liebe Grüße und Danke schonmal,
    Franziska

  7. Max schreibt:

    Darauf kann auch ich antworten:

    Das Voordeelurenabonnement gilt nur in den Niederlanden, ebenso kann man die OV-Chipkaart auch nur dort benutzen. In grenzüberschreitenden Zügen ist das nicht möglich.

    Ob bei einer solchen Fahrt bis zur Grenze der VU-Abo Rabatt gilt, weiß ich nicht. Vermutlich schon. In Deutschland jedoch definitiv nicht, dafür bräuchtest Du dann eine Bahncard (wobei man von der in vielen Regionalzügen auch nichts hat).

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