Kein Hauptwohnsitz in Deutschland
Samstag, 31. Dezember 2011Seit Ende Oktober prangt auf meinem Personalausweis ein Klebeetikett, auf welchem handschriftlich “kein Hauptwohnsitz in Deutschland” vermerkt ist. Das hat den einfachen Grund, dass ich Ende Oktober in die Niederlande gezogen bin, genauer gesagt, in das schöne Utrecht. Die Ursache hierfür ist die beste Freundin von allen, die, wie dem geneigten Leser dieses Blogs vielleicht schon aufgefallen ist, bereits seit drei Jahren bei unseren Nachbarn im Westen wohnt. Und so kam es, dass an einem Oktobertag vier freundliche junge Männer unsere Wohnung in weit über hundert Kisten verpackten und am nächsten Tag irgendwie versuchten, diese Kisten in einem kleinen holländischen Reihenhäuschen unterzubringen.
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Eigentlich hatte ich gehofft, etwas mehr über meine Verhausung (Der Umzug heißt hier “verhuizing”) berichten zu können, aber leider gab es ständig etwas zu tun. Zum einen hatten wir unsere Aachener Wohnung schließlich doch sechs Jahre unser Heim genannt, so dass vor dem Umzug umfangreiche Ausmist- und Aufräumarbeiten bitter nötig waren. Zum anderen musste die Wohnung auch noch “fachmännisch renoviert” übergeben werden, und leider erwies sich der Mietvertrag diesbezüglich auch als wasserdicht. Dann benötigten zwei Leute zum konstruktiven Auspacken der weit über hundert Kisten doch deutlich länger, als die vier freundlichen jungen Männer zum unkritischen Einpacken gebraucht hatten. Weiterhin war an dem kleinen holländischen Häuschen auch noch einiges zu machen, und schließlich gab es da auch noch die niederländische Bürokratie, mit der ich mich herumschlagen musste.
Und das alles im Oktober. Ursprünglich hatte ich geplant, gemütlich im Dezember oder Januar mit der Arbeit anzufangen. Vorher wollte ich das Haus auf Vordermann bringen, noch einen Niederländisch-Kurs machen, alle nötigen Behördengänge erledigen, ein bisschen was über das Gesundheitssystem lernen und vielleicht sogar meine Doktorarbeit endlich fertig schreiben. Aber dann fand ich doch schon für Anfang November einen Job, und war plötzlich wieder Anästhesist statt Arbeitsloser.
Statt mich also mit der haarsträubenden Elektrik unseres Hauses herumzuschlagen, die Niederländisch-Bücher, die ich mir gekauft hatte, auch tatsächlich zu lesen, oder doch etwas über die namenlose Osteotomie des Herrn Salter zu schreiben, verbringe ich nun jeden Tag 40 meist nasse Minuten auf dem Fahrrad, neun spannende Stunden im Universitair Medisch Centrum Utrecht, ungefähr eine Stunde hungrig in der Küche, diverse müde Stunden vor dem Computer oder auf dem Sofa, insgesamt mindestens fünf Minuten fluchend auf den steilen Treppen unseres Hauses, und viel zu wenig Zeit schlafend im Bett.
Und zwischendrin muss ich noch versuchen, irgendwie die drei Sprachen, die ich in letzter Zeit benutze, vernünftig zu sprechen. Q.E.D.

