Am letzten Samstag besuchten die beste Freundin von allen und ich die “Elf Fantasy Fair” in Haarzuilens in der Nähe Utrechts. In Ermangelung eines eigenen Fahrrads musste ich mir ein Hollandrad leihen, was schon das erste Abenteuer des Tages darstellte, da dieses Fahrrad keine Gangschaltung und lediglich eine Rücktrittbremse besaß. Glücklicherweise sind die Niederlande sehr flach, so dass ich weder viel schalten hätte wollen noch bremsen musste.
Als wir vor Ort eintrafen, fiel uns sogleich die beeindruckende Burg, das “Kasteel de Haar” auf, die wohl größte Burg der Niederlande. Auf dem weitläufigen und abwechslungsreich gestalteten Parkgelände tummelten sich Unmengen von Besuchern und Ausstellern. Bevor wir uns allerdings darunter mischen konnten, mussten wir eine ganze Weile für Eintrittskarten anstehen. Da viele der Besucher großartig verkleidet waren, wurde es aber nicht langweilig, und nach einer guten halben Stunde konnten wir dann das eigentliche Gelände betreten.
Von imperialen Sturmtruppen über Wikinger-Reenacter, Steampunker, Larper, Cosplayer, Bodypainter, Damen in riesigen Renaissance-Kleidern, Piraten und Endzeit-Soldaten bis hin zu Techno-Goths war alles an Publikum, Aus- und Darstellern und Kostümen vertreten, was man sich unter “Fantasy” auch nur entfernt vorstellen konnte.
Um den Barockgarten vor der Burg und um die Burg selbst standen allerlei Buden, die hauptsächlich Gothklamotten, den üblichen Esoterik-Nippes, billigen Schmuck aber teilweise auch einfach Fantasy-Bücher oder Schminke verkauften. Im Park und durch den Wald hinter den Gebäuden gab es dann einen großen Rundweg, an dem sich die für uns interessanten Stände und Lager befanden.
Unser Rundgang begann mit der “Medieval Road”, an der sich ebenfalls wieder Verkaufsstände dicht aneinanderreihten, die hier jedoch dem Namen entsprechend historische oder fantastische Stoff- und Lederwaren, Lagerausrüstung, Waffen und Rüstungen feilboten. Ein Großteil der Händler schien aus Deutschland zu kommen, und es waren auch einige bekannte Gesichter dabei. Wir kauften einen breiten Gürtel, ein paar perfekt sitzende Lederhandschuhe, eine gepolsterte Bundhaube, zwei eichene Bierhumpen (die dem Bier einen leckeren, whiskyartigen Nachgeschmack verleihen, daraus schmeckte sogar Heineken) und einen doofen Hut.
Glücklicherweise wurde unser finanzieller Ruin durch das Ende der Verkaufsstraße und den Beginn der Darsteller-Lager abgewendet. Dort befanden sich neben historischen Darstellern auch Gondorianer und Bilbo Baggins Festplatz. Sehr erfreut waren wir über die Anwesenheit einer niederländischen historischen Fechtschule, die auch in der Nähe Utrechts trainiert.
Auf einer großen Wiese war ein Schießstand für Bogenschützen aufgebaut, mit einer entsprechenden Menge Bogenverkäufern davor. Da die wirklich schönen Bögen alle mehrere hundert Euro kosteten, fiel es mir glücklicherweise nicht schwer, zu widerstehen. Dazwischen verteilt gab es auch ein paar eher kleine Larp-Lager, am spektakulärsten waren noch die Endzeitler und die imperialen Sturmtruppen.
Weiter auf dem Weg folgten ein paar wohl bekannte große deutsche Larpausstatter, und gegen Ende der Runde häuften sich dann wieder die Esoterik-Büdchen, durchsetzt mit ein paar Bodypaintern. Auf einer großen Wiese hinter der Burg war eine von Getränke- und Fressständen umzingelte Bühne aufgestellt, auf der diverse Bands auftraten. Leider bestanden sowohl die Bühne als auch die meisten Stände aus dem sonst eher auf Musikfestivals üblichen Stahl und Plastik, so dass es dort leider keine gemütliche Mittelaltermarkt-Atmosphäre aufkam. Auch war die Auswahl an Essen und Trinken eher uninteressant.
Wir flanierten noch etwas umher – mehr der Besucher als der Aussteller wegen – und kamen gerade rechtzeitig an einer etwas abgelegenen Bühne vorbei, um einem recht sehenswerten Kostümwettbewerb beizuwohnen. Allerdings war ein Großteil der nicht daran teilnehmenden Zuschauer mindestens genau so gut kostümiert wie die Wettbewerber.
Gegen Abend machten wir uns dann auf den Rückweg nach Utrecht, mangels anderer Transportmöglichkeiten musste ich meinen doofen Hut auf dem Kopf und den Humpen am Gürtel tragen.
Es war alles in allem ein sehr abwechslungsreicher Tag bei wunderschönem Wetter. Auch wenn mich die unschönen Plastikstände oft gestört haben, wurde dieses durch die Vielfalt der Aussteller, und damit auch der Besucher, wieder wett gemacht. “Fantasy Fair” ist schon die passende Bezeichnung für die Veranstaltung, die sich irgendwo zwischen Mittelaltermarkt, Convention, Festival, Familienevent und großer Party ansiedelt. Nächstes Jahr bin ich gerne wieder dabei.