Seit letztem August wollte ich eigentlich einen Conbericht über das Mythodea 2010 schreiben. Da ein vollständiger Bericht den vorhandenen Rahmen (und meinen Blutdruck) sprengen würde, hier lediglich ein paar gebliebene Eindrücke in Kürze.
Anreise und Lager:
Die Anreise gestaltete sich unproblematisch, die Verkehrsführung erinnerte mehr an ein Festival als eine Larp-Con. Ausladen durfte man nur in bestimmten Ausladebereichen, wodurch eine Menge lästige Schlepperei entstand, aufgrund der Menge an Teilnehmern vermutlich aber ein notwendiges Übel. Das Untotenlager, insbesondere im Bereich des vierten Lairdoms “Barrenbay”, sah für ein NSC-Lager recht schick aus und war nett dekoriert. Die vorgelagerte, bespielte Untotenfestung “Doerchgard” zauberte ein dämliches Grinsen auf mein Gesicht, als ich das erste Mal im grünen Licht auf deren Palisaden patrouillierte. Insbesondere der Innenbereich mit Untotensiedlung, Kapelle und diversen anderen IT-Bereichen war mit viel Liebe zum Detail gestaltet, wohlgemerkt von engagierten NSCs in Eigeninitiative und auf eigene Kosten.
In den verwinkelten Gassen der “Stadt” fand man eine tolle Atmosphäre vor, gegen die selbst viele große Mittelaltermärkte nicht angekommen wären. Es gab jede Menge Tavernen, Gauklerbetriebe, viele vernünftige, gute Händler und Mytholon. In den Spielerlagern gab es leider diverse Iglu-Zelte, dies war von der Orga jedoch explizit erlaubt. Jeder darf sich darüber seine eigene Meinung bilden.
Toiletten und tatsächlich zu heiße Duschen gab es in ausreichender Qualität und Quantität in der Nähe des NSC-Lagers.
NSCs, Spieler und SL:
Das Untote Fleisch ist die engagierteste NSC-Truppe, in der ich jemals mitgespielt habe. Selbst bei Spielern habe ich selten so detailverliebte Kostüme und Masken gesehen, und sobald eine ausreichende Menge Untoter zusammenstand, verfiel man dort schnell und unwillkürlich ins Rollenspiel, auch ohne Spielerpublikum. Das schwarze Eis, unsere immer perfekten Kollegen, boten meist leider keinen so schönen Anblick, konnten dafür aber schön marschieren.
Die Spieler… Jemand benutzte kürzlich den Begriff “Polsterwaffensportler”. Das beschreibt den Großteil des Publikums vermutlich recht gut. Viele hatten den Punkt in der Rollenspielkarriere, an dem man lernt, Spiel und Realität zu trennen, noch nicht erreicht. Auch schienen die meisten Spieler die NSCs tatsächlich als Gegner und nicht als Mitspieler zu sehen, so dass es in vielen Kämpfen leider nur ums Gewinnen, nicht aber um die Show ging. Jedoch gab es auch viele großartige Spieler(gruppen), mit denen wir jede Menge Spass, einige tolle Situationen und viele ganz grandios schmutzige Kämpfe hatten: Die zehnte Legion, die Schattenstürmer, die Lappingrotte, die Dreiländer – um nur einige zu nennen.
Zur SL gibt es nur wenig zu sagen. Wir lernten lediglich einen entspannten, ruhigen Vertreter dieser Spezies kennen, der Rest war eine bunte Mischung aus Überforderung, Gleichgültigkeit und Profilneurose. Wir durften uns mehr als nur einen dummen Spruch anhören, und man hatte stets den Eindruck, für jeden NSC-Einsatz dankbar sein zu müssen.
Abreise und Fazit:
Am Abreisetag regnete es. Natürlich. Die Tatsache, dass man als NSC den Platz erst verlassen durfte, nachdem man Frohnarbeit geleistet beim Festungsabbau geholfen hatte, und die völlig unverschämten Ein-Euro-Jobber Parkplatzordner verdarben uns endgültig die Laune. Im Auto diskutierten wir ausführlich, ob wir uns diese Veranstaltung im nächsten Jahr trotz unserer Erfahrungen mit Parkwächtern, SL, vielen Spielern und der Geringschätzung der NSC-Leistung wieder antun sollten, kamen jedoch schnell zu einer Antwort: Ja! Das untote Fleisch und die Knochenkönigin hatten uns einfach in ihren Bann gezogen. Und auch wenn ein Großteil der mehreren Tausend Spieler – nett gesagt – nicht unsere Spieleinstellung teilten, so gab es unter ihnen doch immer noch mehrere Hundert, mit denen man mehr als genug Spass haben konnte.
Insofern sind wir auch dieses Jahr wieder dabei, wenn es heißt:
Ihr Wille hebt das Land!
Den Heiligen zur Ehre!
In Demut für Igraina!