Die OV-Chipkaart
Montag, 15. Februar 2010Dieses Wochenende besuchte ich die beste Freundin von allen in Utrecht in den Niederlanden. Dass ich dabei dem karnevalistischen Irrsinn in Aachen entging, war ein angenehmer Nebeneffekt.
Als Beförderungslegitimation für die Bahnfahrt probierte ich erstmalig die OV-Chipkaart aus, im Prinzip eine elektronische Fahrkarte. Da ich bereits im Besitz des niederländischen Äquivalents zur deutschen Bahncard war, musste ich diese nur noch über das Internet für die Benutzung als Fahrkarte freischalten. An einem Fahrkartenautomaten konnte ich dann die Daten auf der Karte entsprechend modifizieren lassen und diese dann mit einem gewissen Guthaben (analog der Geldkarte) aufladen.
Zu Beginn seiner Reise sucht man sich im Bahnhof eines der vielen, mit auffälligen Schildern gekennzeichneten Terminals zum “Einchecken”. Ein lautes Piep und ein “Goede Reis” auf dem Display teilen einem mit, dass die Karte akzeptiert und mit einem gewissen “Einstiegspreis” belastet wurde. Am Zielbahnhof checkt man auf die gleiche Weise wieder aus und bekommt durch das Terminal den endgültig abgebuchten Betrag mitgeteilt. Vergisst man das Auschecken, wird der vollständige Einstiegspreis abgebucht, der in fast allen Fällen teurer als die eigentliche Fahrt ist.
Wird man im Zug kontrolliert, reicht es aus, dem freundlichen Bahnmitarbeiter die Chipkaart zum Scannen zu geben. Dies hat bei mir völlig problemlos funktioniert, obwohl ich mir die schrecklichsten Situationen ausgemalt hatte, in die ich hätte geraten können.
Letztlich soll dieses System für alle öffentlichen Verkehrsmittel in den Niederlanden bereitgestellt werden. Für die meisten Züge und für die Busse in den größeren Städten ist es bereits benutzbar.
Die öffentlichen Verkehrsbetriebe in Deutschland könnten sich daran ein Beispiel nehmen. Viel zu oft musste ich erst einmal herausfinden, welche Fahrkarte ich brauche und wie der entsprechende Automat funktioniert (wenn überhaupt), während ich meinem Zug oder Bus fluchend bei der Abfahrt zuschauen durfte.
Der große Nachteil, wie bei jedem vereinheitlichtem elektronischen System ist jedoch, dass somit jede Reise mit einem Öffi, die man unternimmt, ins Detail nachverfolgt und einer Person zugeordnet werden kann. Der Komfortgewinn ist jedoch beträchtlich, und es gibt laut der besten Freundin von allen zumindest für die Busse auch anonyme Karten, die man am ehesten mit Prepaid-Telefonkarten vergleichen kann.


